Cala S’Almunia & Caló des Màrmols: Wenn jeder Schritt sich lohnt

Sandbucht Caló des Màrmols auf Mallorca

» Am Ziel deiner Wünsche wirst du jedenfalls eines vermissen: dein Wandern zum Ziel. «

– Marie von Ebner-Eschenbach

Mir gefällt die Idee. Dass das Wandern und unterwegs sein genauso viel wert sind, wie das Ankommen. Auch wenn man das vielleicht erst am Ziel erkennt. Andererseits: Erreicht man je das Ziel aller Wünsche? Ist da nicht immer noch ein neuer Wunsch, ein nächster Traum, der vor einem liegt? Und ist das nicht auch wichtig? Denn, klar, auch wenn es gut tut, mit dem zufrieden zu sein, was man hat – es tut doch auch gut, noch ein Ziel vor sich zu haben, einen Wunsch, den man in den stillen Momenten vor seinem inneren Auge sieht. Und wenn es nur der Wunsch ist, dass das Leben bleibt, wie es ist.

Bei meiner Wanderung auf Mallorca aber – und damit meine ich jetzt wirklich eine physische, nicht metaphorische Wanderung – war ich dann doch ganz froh, als ich das Ziel des Hinwegs erreicht hatte. Nicht unbedingt wegen der zurückliegenden Anstrengung, sondern vor allem, weil vor mir eine der schönsten Buchten sichtbar wurde, die ich auf der Insel bislang gesehen habe: die Caló des Màrmols. Für die haben sich sogar die zerkratzen Beine und Mückenstiche gelohnt.

Cala S'Almunia auf Mallorca

Blick auf die Cala S'Almunia auf Mallorca

Schon bei meinem letzten Besuch auf Mallorca hatte ich geplant, eine Wanderung auf der Insel zu machen. Am Ende fehlte die Zeit, die Urlaubstage waren, wie das eigentlich immer der Fall ist, viel zu schnell vorbei. Dieses Mal habe ich schon von zu Hause aus nach Routen gesucht und am Ende eine Rundtour gefunden, die zwar nicht durchs Gebirge führen sollten, aber dafür zwei Buchten im Süden der Insel verbindet – die Cala S’Almunia und die Caló des Màrmols – und tolle Aussichten aufs Meer versprach. Und: Zumindest auf der Karte sah die Strecke so simpel aus, dass Verlaufen quasi unmöglich erschien.

Wer mit dem Auto anreist, muss die ersten rund anderthalb Kilometer schon zu Fuß zurücklegen, bevor die eigentliche, insgesamt zwischen elf und zwölf Kilometer lange Wanderung beginnt. Parken ist im Ort S’Almunia für Touristen nicht mehr möglich, es gibt aber einen großen, kostenlosen Parkplatz etwas außerhalb. Die Bucht sowie die angrenzende Caló des Moro sind ausgeschildert. Schwieriger wird es dann, an der Cala S’Almunia den Start vom Wanderweg zu finden. Hier – und übrigens auch die ganze weiteren Strecke entlang – fehlen nämlich Schilder. Aber keine Sorge: Am Ende führen irgendwie alle Wege – und auch alles, was nur entfernt an einen Weg erinnert – zum Ziel.

 

Wanderweg an der Steilküste im Süden Mallorcas

Besonders schwierig ist die Wanderung, von ein paar Auf- und Abstiegen, an denen man sich im Zweifel zur Hilfe etwas festhalten muss, nicht. Das ist auch gut so, denn sofern man keinen bewölkten Tag wählt, marschiert man fast die gesamte Strecke ohne Schatten. Allerdings: Je nachdem, welchen Abzweig man wählt, einige Kratzer durch Sträucher, die auf den Weg reichen, möglich.

Ich bin auf Hin- und Rückweg in Teilen unterschiedliche Strecken gegangen und würde empfehlen, möglichst nah an den Klippen entlang zu gehen. Zum einen, weil der Weg dort angenehmer war, und zum anderen wegen der tatsächlich großartigen Aussicht, die mich immer wieder anhalten ließ und eigentlich noch viel mehr Punkte für Fotos geboten hat. Weil mein Kamera-Akku blöderweise schon kurz nach dem Start zu schwächeln begann, musste ich mich auf einige Orte beschränken. Andererseits hat das zumindest das Vorankommen erheblich beschleunigt.

Nach rund zwei Stunden lag sie dann vor mir: die Caló des Màrmols. An diesem Tag – berechtigterweise – gerade Location für ein Fotoshooting, ansonsten aber nur wenig besucht. Im Laufe des Nachmittags waren wir zeitweise nur noch zu viert an der Sandbucht, was wohl daran liegt, dass die Bucht ohne Wanderung nicht zu erreichen ist. Ich kann auch gar nicht genau sagen, was mir am besten gefallen hat – der weiße Sand, die Farben vom Meer, die kleine Steintreppe am Rand oder eben, dass hier nichts von den Tausenden Mallorca-Touristen zu spüren war. Aber für mich ist die kleine Calò absolut ein Highlight unter den vielen Buchten auf der Insel.

Caló des Màrmols auf Mallorca

Kleine Bucht Caló des Màrmols auf Mallorca

Was für den Strand gilt, gilt übrigens auch für den Wanderweg: Menschen bin ich an diesem Junitag kaum begegnet. Statt Gedränge gibt es Natur pur. Wer für ein paar Stunden eine Auszeit sucht, den Kopf freibekommen, zu viele Gedanken weg- und die Haare durchpusten lassen will, der ist hier an der Steilküste richtig.

Als Kind, das muss ich an dieser Stelle einmal zugeben, konnte ich mich für das Wandern überhaupt nicht begeistern. Ich höre regelmäßig eine Geschichte, wonach ich mit meinen Eltern im Urlaub zu einer kleiner Insel gefahren bin – und mich, dort angekommen, weigerte, über die Insel zu laufen und sie zu besichtigen. Heute sind keine Überredungskünste mehr notwendig, wenn es um das Entdecken unbekannter Orte geht. Heute sauge ich das alles in mir auf. Für solche Momente wie jetzt: Wenn ich nach einem Arbeitstag vor dem Laptop sitze, es draußen donnert und in Strömen regnet. Dann denke ich an die Farben des Meers, an das Glitzern der Sonne auf dem Wasser und an vom Wind zerzauste Haare. Und daran, wie froh ich bin, dass ich diese 15 Kilometer gegangen bin.

 

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s