Estellencs – Mallorcas Vielfalt auf einem Fleck

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» Die Welt ist nur so groß, wie das Herz, mit dem man sie betrachtet. «

– Tanaya A. Moore

Ich gebe es zu: Der Spruch klingt erstmal wahnsinnig kitschig. Aber ich bin der Meinung, ein bisschen Kitsch könnte in der Welt eigentlich nicht schaden, zwischen den Vorurteilen, dem Rechtspopulismus und Hass, die hier momentan herrschen. All das hat, ohne Frage, schon im Alltag keinen Raum, aber wer damit reisen will, der sollte es besser lassen. Stattdessen braucht man jede Menge Platz im Herzen, für all das Neue und Fremde und die Menschen, die man trifft. Und darüberhinaus steht eines, denke ich, fest: Ein (zu) großes Herz hat in der Welt noch nie geschadet. Im Gegensatz zu den Dingen, die ich ein paar Zeilen weiter oben aufgezählt haben.

Dass Mallorca und seine Dörfer einen festen Platz in meinem Herzen haben, ist vermutlich bekannt. Die Bilder von ihnen anzusehen während ich den Text hier schreibe, weckt in mir jedes Mal das Fern-oder Heimweh, je nachdem wie man es betrachtet. Ich kann es nur immer wieder sagen: Manchmal ist etwas, das anders ist als man es von zu Hause kennt, genau das was man braucht, gerade im Urlaub, gerade, wenn man Abschalten will und Erholung sucht. Estellencs an Mallorcas Westküste hat sich nahtlos in die Reihe der Dörfer eingereiht, die mich mit ihrer sympathischen Einfachheit und Herzlichkeit umgarnt haben. Die engen Gassen, gepflasterten Wege, Natursteinhäuser und kleinen Cafés sind einfach charmant ohne Ende.

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Estellencs liegt nur rund sieben Kilometer südlich von Banyalbufar und wer, so wie ich, von den kleinen Bergdörfern nicht genug bekommen kann, der kann einen Ausflug zu den beiden Orten perfekt verbinden. Die Küstenstraße Ma-10, die von einem Dorf zum anderen führt, ist erwartungsgemäß kurvig und in Teilen steil, sodass die sieben Kilometer ein wenig mehr Zeit in Anspruch nehmen können, als man es aus Deutschland gewohnt ist. Dafür fährt man am Meer entlang, mit traumhaften Aussichtspunkten. Und wenn zwei Bergdörfer noch immer nicht genug sind: Einfach der Straße von Banyalbufar aus weiter in Richtung Norden bis nach Valldemossa folgen oder, für die, die aus Palma und Umgebung kommen, auf dem Rückweg einen Abstecher nach Esporles machen.

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Wenn ich euch sage, wie vielfältig die Natur auf Mallorca ist, dann ist das sicherlich nichts neues. Oft genug habe ich von den Bergen, den Stränden und Steilküsten geschwärmt. Aber die Vielfalt in einem so kleinen Dorf wie Estellencs zu erleben, das ist schon etwas Besonderes. Der Ort vereint schroffe Steinküsten mit üppig bewachsenen Gärten und wilden Berghängen. Es lohnt sich, das Dorf mehr oder weniger vollständig abzulaufen, von oben bis nach unten, um einen Eindruck zu bekommen, wie schnell die Natur sich wandeln kann. Um zum Meer zu kommen, kann man natürlich auch bequemerweise ins Auto steigen – allerdings sollte man sich bewusst sein, das Gegenverkehr in dieser Straße ein Ding der Unmöglichkeit ist. Die Ausweichbuchten sind so rar, dass eines der Autos ein gutes Stück rückwärts fahren muss um sie zu erreichen und das entgegenkommrende Fahrzeug vorbeizulassen.

Die Bucht sollte man sich trotzdem nicht entgehen lassen. An einem Ende befindet sich ein kleines Café, das wirklich einfach ist, von dem was es bietet und wie es eingerichtet ist. Aber von seiner Lage direkt an den Felsen ist es kaum zu übertreffen. Da wundert es nicht, dass sich während meines Besuchs eine Künstlerin genau diesen Platz ausgesucht hat, um an ihrem neuen Bild zu arbeiten. Wer auf der Suche nach Inspiration ist, wird hier mit Sicherheit fündig.

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Über den alten Bootsgaragen, die tatsächlich noch genutzt werden, führt ein Weg entlang, sodass man die Bucht aus unterschiedlichen Blickwinkeln betrachten kann. Man kann Menschen beobachten, die zum Schnorcheln von den Steinen springen oder sich still und ganz für sich – mal wieder – am endlos weiten Meer erfreuen.

Zurück im Dorf solltet ihr euch die Zeit nehmen, entspannt durch die Gassen zu schlendern, auch wenn es wie gewohnt keine Must-Sees oder großen Sehenswürdigkeiten gibt. Die Details, das Farbspiel, die Ruhe, die nur ab und zu von den Gesprächen aus den Cafés unterbrochen wird – all das ist für mich Grund genug, Estellencs ein paar Stunden Zeit zu widmen. Ganz abgesehen von den Fotomotiven, die sich hier an jeder Ecke finden lassen.

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Es ist still geworden auf dem Blog, das haben einige von euch vielleicht gemerkt. Das liegt daran, dass ich eine Weile nicht mehr auf der Insel war. Und daran, dass ich acht Stunden am Tag damit verbringe, zu schreiben. Irgendwann sind dann einmal die Geschichten, Sätze, Wörter aufgebraucht. Von daher ist das hier für eine Weile der letzte Eintrag. Ich hoffe, ich konnte euch in Gedanken mitnehmen nach Mallorca, euch inspirieren oder dem einen oder wenigstens zeigen, dass der Ballermann ungefähr so viel über Mallorca aussagt, wie eine RTL II Dokusoap über das Leben in Deutschland. Und wenn meine Fotos und Geschichten euch nicht überzeugen konnten, tut mir den Gefallen und guckt es euch einfach selbst an.


4 Kommentare

  1. Es ist genau wie Du sagst, Mallorca hat derartig viele wunderschöne Seiten die absolut fernab vom Ballermann sind. Es lohnt sich mit dem Auto über die Insel zu fahren und in den ganzen kleine Dörfern halt zu machen und diese zu Fuß zu erkunden. Sie erobern durch ihre schlichte, naturbelassene Schönheit die Herzen im Sturm.

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  2. Liebe Jessica, danke wieder für die schönen Fotos. Du hattest gleich zu Beginn Deines Blogs unsere volle Aufmerksamkeit, aber da waren wir schon längst Mallorca-Fans. Ende September dürfen wir wieder auf die Insel, mal eine ganz andere Jahreszeit. Wir freuen uns jetzt schon auf die Tage, die Farben des Herbstes und und und.
    Wäre nett, bald wieder mal von Dir zu lesen…
    Alles Liebe, beste Grüße,
    Familie Bachmann

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    1. Liebe Familie Bachmann,
      Als erstes: Ich bin sehr neidisch, September ist für mich mit der schönste Monat auf Mallorca, mit seinem warmen Licht und der langsam einkehrenden Ruhe. Und dann freut es mich natürlich sehr, dass ihr meinen Blog so verfolgt habt. Danke dafür!
      Ich wünsche euch schon jetzt einen fantastischen Urlaub.
      Liebe Grüße, Jessica

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