Playa de Formentor – Zum Vergessen lassen und unvergesslich bleiben

Playa de Formentor auf Mallorca


 » Reisen ist besonders schön, wenn man nicht weiß, wohin es geht. Aber am allerschönsten ist es, wenn man nicht mehr weiß, woher man kommt. «

– Laotse

Vergessen, was hinter mir liegt; einfach leben und genießen, im Hier und Jetzt. Dieser Wunsch steht bei mir am Anfang von fast jeder Reise. Ihn auch umzusetzen ist leider nicht immer so leicht. Denn auch wenn man sich vornimmt, los zu lassen und dem Alltag zu entkommen, fliegen die Gedanken manchmal wie von selbst zurück zum Job, der nächsten Prüfung oder der Situation auf dem Konto. Einen Ort zu finden, an dem all das tatsächlich weit weg und für den Moment unwichtig ist, ist ein großes Glück. Solche Orte gilt es festzuhalten, jede Sekunde dort aufzusaugen und wiederzukommen, wann immer es geht. 

Deshalb sind es auch genau diese Orte, für die ich ab und zu mal eine Ausnahme mache. Denn obwohl ich normalerweise am liebsten so wenig wie möglich auf meinen Reisen plane, und erst recht nicht Monate im Voraus, stehen manche Ausflüge einfach fest. Ohne, dass es lange darüber nachdenken muss. Ich glaube jeder kennt sie, die Plätze, von denen man weiß „Da muss ich hin“ und auf die man sich schon ein halbes Jahr vorher freut. Orte, wie die Playa de Formentor. Einmal da gewesen, war für mich klar, dass bei der nächsten Reise wieder ein Tag für den Strand reserviert ist.

Strand auf Mallorca

Playa de Formentor auf Mallorca

Wie so oft war gedanklich alles perfekt – und dann startet der Tag doch ganz anders als ausgemalt. Als wir nach einer Stunde Fahrt auf der Halbinsel Formentor ankommen, ist es bewölkt und schon von Weitem erkenne ich die vielen Autos rund um den Eingang zur Playa, die wir bei unserem letzten Besuch noch fast für uns alleine hatten. Schnell wird klar, warum die Menschen an der Straße und nicht auf dem eigentlichen Parkplatz stehen. Tageskartenpreis (und etwas anderes gibt es nicht): 9 Euro. Wer im Geländewagen unterwegs ist, schafft es sicherlich problemlos, sich einen freien Platz am Straßenrand zu sichern. Nur sind wir leider mit einem Mini hier und dem wollen wir die Steine, Kuhlen und hohen Bordsteinkanten besser nicht zumuten.

Die nächste Ernüchterung kommt, als wir am Strand stehen. Leere und Stille sucht man heute vergeblich. Ja, eigentlich hätte ich auch selbst drauf kommen können. Die Playa ist zwar knapp einen Kilometer lang, aber keine zehn Meter breit und der Platz entsprechend begrenzt. Aber so ist das, wenn man glaubt, eine geniale Idee zu haben, auf die sonst kein anderer kommt. Irgendwie habe ich nicht erwartet, dass sich so viele Leute die Mühe machen, bis ganz in den Norden zu fahren, wo es doch hunderte andere Buchten auf der Insel gibt. Offensichtlich tun sie es doch. Wer Ruhe sucht, muss früh aufstehen oder lange ausharren. Am Nachmittag verschwinden die ersten Familien und mit ihnen die ersten Wolken. Noch ein bisschen später ist der Himmel klar und der Strand fast leer.

Playa de Formentor (3)

Sandstrand auf der Halbinsel Formentor auf Mallorca

Auch, wenn Warten nicht unbedingt zu meinen Stärken oder gar Lieblingsbeschäftigungen gehört: Hier lohnt es sich, versprochen. Die Playa de Formentor ist ein Traum, absolut und zu jeder Tageszeit. Aber es wäre gelogen, zu behaupten, dass es keinen Unterschied macht, ob man nun vier Quadratmeter Platz hat oder 20. In den frühen Abendstunden ist die Zeit gekommen, um am Strand entlang zu spazieren und in der einkehrenden Ruhe die, mal wieder, bestechende Schönheit der Insel zu bestaunen. Der Strand wird umrahmt von Pinien, die dunkle Schatten auf den weißen Sand malen und deren Äste beinahe das Wasser berühren. Alles um die Playa de Formentor ist grün, es strahlt, von den Wäldern über die Berge bis zu den vorgelagerten kleinen Inseln.

An Orten wie diesen fällt besonders auf, wie sich das Licht mit den Jahreszeiten ändert. Im Frühling ist es kälter, der Strand weißer, die Luft klarer. Im Spätsommer erscheint alles wärmer, nicht nur wegen der Temperatur. Eher so, als hätte man bei Photoshop die Sättigung hochgedreht. Welche Zeit im Jahr die Schönste ist? Ich weiß es nicht. Für mich ist das Schöne, beides zu sehen. Zu beobachten, dass nicht nur wir uns verändern, sondern dass die Welt um uns herum es auch tut. Diese Veränderung macht es möglich, dass die Orte immer etwas Besonderes bleiben, weil sie nie genau so sind, wie wir sie in Erinnerung hatten.

Strand und Urlaub auf Mallorca

Bei der Erinnerung an die Playa de Formentor denke ich immer: Genau für solche Orte gibt es Fotos. Klar, es ist nicht dasselbe, ob ich ein Bild ansehe oder wirklich an dem Strand stehe. Aber manchmal reicht ein Foto aus, um den Alltag für ein paar Minuten auszublenden und die Sehnsucht bis zur nächsten Reise zu verringern. Und bis es soweit ist, sollten wir die Zeit nutzen, um die kleinen Oasen Zuhause zu entdecken. Die Orte, wegen der es jedes Mal wieder schön ist, nach einer Reise daheim anzukommen.


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