Banyalbufar oder: Pack dein Herz ein

Banyalbufar auf Mallorca


» Wohin du auch gehst, geh mit deinem ganzen Herzen. «

-Konfuzius

Mit ganzem Herzen gehen. Das klingt einfach und logisch, wenn man es so liest, denn wie sollte man sonst gehen? Aber wenn ich etwas gelernt habe auf meinen Reisen, dann ist das, dass es absolut nicht immer einfach ist, mit ganzem Herzen dabei zu sein. Vor allem, wenn man alleine reist, vor allem, wenn man das Vertraute vermisst und alles fremd und so ganz anders ist. Trotzdem gibt es auf einer Reise nichts Wichtigeres, als voll und ganz an dem Ort zu sein, wo man eben gerade ist. Vergiss die sechs Paar Schuhe, die GoPro und den Selfie-Stick. Pack dein Herz ein. Sonst fährt man am Ende zurück mit bunten Fotos, aber farblosen Erinnerungen und ohne Geschichten von Orten, die so anders und trotzdem ein Stückchen Heimat geworden sind. 

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Denn so geht es mir inzwischen, wenn ich in eins der kleinen Dörfer auf Mallorca fahre: Ich fühle mich ein bisschen heimisch. Wenn ich die Natursteinhäuser sehe mit ihren bunten Fensterläden und den Blumentöpfen, denke ich mir jedes Mal: Schön, endlich wieder hier zu sein. Es ist, als ob man ankommt, durch eine imaginäre Tür tritt und gleichzeitig den Rest der Welt für ein paar Stunden aussperrt. Die Dörfer sind für mich Orte zum Runterkommen und Entspannen, zum Beobachten und Durchatmen. Orte, um eben die Dinge zu tun, die ich mit Zuhause verbinde, ob das mit der Lieblingsdecke auf der Couch ist oder daheim bei der Familie.

Das Dorf Banyalbufar im Westen Mallorcas habe ich bisher zweimal besucht und fest steht: Man muss nicht immer an neue Orte fahren, man kann auch an bekannten Orten Neues entdecken. Beim zweiten Mal war das ganze Dorf geschmückt für die Fiesta de la Natividad de la Virgen María, eine Festwoche zu Ehren der Schutzheiligen von Banyalbufar. Fähnchenketten waren von Haus zu Haus gespannt und flatterten im Wind und ließen den Ort noch freundlicher erscheinen, als er es ohnehin schon ist. Schade eigentlich, dass sie nicht immer hier hängen. Vielleicht sollte ich das in Magdeburg mal einführen.

Festwoche in Banyalbulfar auf Mallorca

Reisen auf Mallorca nach Banyalbulfar

Wer durch Banyalbufar läuft, stößt mehrfach auf Hinweisschilder für die „Playa“ und wenn ich „Strand“ lese, steht fest: Da muss ich hin. Die Frage war nur, wie, denn die Straße sah mir wenig vertrauenserweckend aus. In meinem Kopf lief schon der passende Film: Wir, am Ende der steilen Straße in einer Sackgasse ohne Wendemöglichkeit und mit keiner anderen Option als rückwärts den Berg wieder hoch zu kurven. Ja, was Autofahren angeht, neige ich manchmal zu etwas überdramatischen Fantasien. Jedenfalls, das Risiko war entschieden zu groß. Also ging es zu Fuß in Richtung Playa, um unten – natürlich – auf einen Parkplatz zu stoßen, auf dem sogar ein LKW mit zwei Anhängern hätte wenden können. Ich rechtfertige solche Aktionen im Nachhinein gerne damit, dass man im Urlaub sowieso zu viel isst und zu wenig läuft. Wer aber insbesondere den Rückweg bequemer haben will: Traut euch, hier wäre sogar ich unbeschadet runter und wieder hochgekommen.

Aber gut, auch so habe ich es nach unten geschafft und muss sagen: Mit den Wegweisern hat das Dorf ein wenig übertrieben. Im Spanischen gibt es vier Begriffe für Buchten bzw. Strände, von klein nach groß sortiert sind das: Caló, Cala, Badia und Playa. Der Logik zufolge, müsste sich hier ein ziemlich langer Strand befinden. Ehrlich gesagt, finde ich es schon gewagt, überhaupt von einer Bucht zu sprechen, denn zumindest als ich da war, bestand das Wie-auch-immer-man-es-nennen-mag eigentlich nur aus Felsplatten und Steinen. Aber andererseits: Bilderbuchmäßige Sandstrände gibt es einige auf Mallorca. Die Steine halten die Menschen nicht vom Sonnen oder Baden ab. Warum dann nicht mal einer Bucht eine Chance geben, die praktisch direkt aus den Felsen entspringt und so komplett anders ist? Offenheit ist das zweite Gepäckstück, das auf keiner Reise fehlen darf. Die Bucht von Banyalbufar zählt zu den Beweisen, warum.

Bucht von Banyalbufar

Was Banyalbufar besonders macht, ist, dass fast jeder Punkt in dem Ort einen unglaublichen Ausblick hat. Man guckt über Häuserdächer oder grüne Gärten, auf das Meer oder die Berge oder beides gleichzeitig. Es ist ein Ort, um immer wieder stehen zu bleiben. Um keine To-Do-Liste abzuarbeiten, sondern die Augen zu öffnen und für sich selbst zu entdecken, was einen fasziniert und inspiriert. Für mich sind das die kleinen Dinge, die Dekorationen auf den Fensterbänken, den Balkonen oder vor den Eingängen, bei denen ich mir denke: Das ist es, was ein Zuhause braucht. Statt irgendwelcher Designer-Möbel sind es genau diese kleinen Zeichen von Warmherzigkeit, die ich in meiner Wohnung haben möchte.

Ich habe beim Schreiben des Artikels darüber nachgedacht, ob ich manchmal auf meinen Bildern zu wenig von dem „Großen Ganzen“ zeige, zu wenig von den Kirchen und anderen Bauwerken und dafür zu viele Details. Aber ich habe mich entschieden: Nein. Das hier ist meine Perspektive, mein Blickwinkel, das, was mir auffällt und für mich besonders ist. Fotos sind nun mal subjektiv, immer, und das sollen sie auch sein. Und wer mehr oder etwas anderes sehen will… Tja, für den habe ich einen guten Tipp: Mach dich selbst auf die Reise und danach, erzähl und zeig uns deine Geschichte.


5 Kommentare

  1. Nein, liebe Jessica, Du zeigst nicht zuwenig vom Grossen Ganzen. Gerade Deine liebevollen Details sind es, die die einzelnen Dörfer zum „Leben“ erwecken. Wer Bilder von Kirchen oder ganzen Dörfern sehen möchte, der kann sich doch die Ansichtskarten dazu ansehen.
    Ich bin immer wieder fasziniert von Deinen Berichten und den Bildern dazu und fühle mich in eine andere Zeit versetzt.
    LbG Isi

    Gefällt 1 Person

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