Caló des Moro – 120 Stufen zum Glück

Reisen auf Mallorca

» Es ist nicht leicht, das Glück in sich selbst zu finden. Doch es ist unmöglich, es anderswo zu finden. «

– Orientalisches Sprichwort

Ich weiß nicht, wie viele Ratgeber es zum Thema Glück gibt. Einfach glücklich sein oder Die zehn Geheimnisse des Glücks oder Glück: Alles, was Sie darüber wissen müssen – die Auswahl ist großUnd ja, ich gebe es zu: Auch wenn ich kein ganzes Buch darüber lesen würde, überblättere ich Magazinbeiträge mit dem Wort „Glück“ im Titel nur selten. Die Frage ist nur, warum. Will ich mich vergewissern, ob ich tatsächlich glücklich bin? Sehen, ob ich alles richtig mache oder was ich in meinem Leben noch verändern müsste? Vielleicht. Aber ehrlicherweise muss ich genauso zugeben: Ich finde das immer sehr logisch, was in den Artikeln steht, aber kann mich nicht erinnern, danach schon einmal bewusst etwas anders gemacht zu haben.

Irgendwie fällt es mir schwer daran zu glauben, dass jemand besser weiß, was mich glücklich macht, als ich. Vielleicht unterschätze ich die Kenntnisse der Autoren und Psychologen, aber vielleicht steckt in dem orientalischen Sprichwort vom Anfang auch sehr viel Wahrheit. Wir können das Glück nur in uns selbst finden und in keinem noch so schlauen Buch. Sicher ist das im Alltag nicht immer leicht. Manchmal muss man erst an die richtigen Orte fahren, um das Glück zu erkennen zwischen all den Tragödien der Welt.

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Reisetipp Mallorca Caló des Moro

Die Caló des Moro auf Mallorca ist so ein kleiner Ort zum Glücklichsein. Wirklich klein, wirklich glücklich. Die Bucht ist rund 30 Meter lang und 20 Meter breit und ein Ort, wo man sich denkt: Solange es solche Plätze auf der Welt gibt und solange ich die Chance habe, sie zu sehen, ist mein Leben eigentlich nicht so schlecht. Wenigstens für die Zeit, die man dort ist, kann man aufhören darüber zu grübeln, was alles besser laufen könnte, sollte, müsste. Also laut Ansicht eines Buchautors.

Die Bucht ist zwar kein Geheimtipp mehr, aber trotzdem ziemlich gut versteckt. Wir wären wahrscheinlich immer noch auf der Suche, ohne unsere Retter, die uns schließlich hingeführt haben. Mein neues Wissen möchte ich natürlich teilen – damit ihr nicht ähnlich verloren seid, falls ihr euch auf den Weg zur Caló macht. Fahrt in Richtung Cala Llombards und biegt bei der letzten Möglichkeit vor dem Ortseingang rechts ab. Geradeaus bis zum Stoppschild, hier fahrt ihr nach links. Der Straße ein Stück folgen, dann kommt ihr zu einem (kostenlosen) Parkplatz. Von dort geht’s zu Fuß weiter. Mein Tipp: Kurz nach dem Parkplatz macht die Straße einen Knick und auf der linken Seite gibt es einen Pfad. Der führt euch nicht zur Bucht, dafür aber zu einem einmaligen Aussichtspunkt.

Calo des Moro auf Mallorca

Bucht auf Mallorca

Zur Bucht kommt man über eine kleine Steintreppe am Ende der Straße. 120 Stufen liegen vor einem – schmal, steil und mit der Gefahr, dass man schneller unten ist als geplant. 120 Stufen, die im Sommer den Puls nach oben treiben und sich trotzdem mehr als lohnen. Langsam, Schritt für Schritt lichten sich die um die Treppe wuchernden Pinien und geben den Blick frei auf die Cala S’Almonia, eine zweite Felsbucht. Also: Zeit für einen Zwischenstopp. Genießt den Ausblick auf kleine Fischerhäuschen, die Jahrhunderte alt sind, auf das Glitzern der Sonne und das ewig weite Meer.

Genug gesehen? Dann geht’s über den Wanderweg weiter zur Caló des Moro. Allerdings: Die Bucht war zunächst nicht wie ich es erwartet hatte. Auf anderen Reise-Websites liest man von einem Sandstrand, der es mit denen aus der Karibik aufnehmen kann. Vielleicht hatte ich deshalb ein falsches Bild vor Augen und war etwas verwundert, als ich oberhalb der Bucht stand. Wo ist der Sand? Und wo ist überhaupt der Strand? Alles, was ich sehen konnte, waren Felsen und Handtücher. Viele Handtücher.

Cala S'almonia auf Mallorca

Strand auf Mallorca

Es war ein kleines Wunder, wie so viele Menschen in eine so kleine Bucht gepasst haben. Nahezu Weltrekord-verdächtig. Wenn jemand aufsteht und geht, dauert es etwa 30 Sekunden, bis an der Stelle neue Handtücher liegen. Die Caló des Moro ist beliebt und in den Sommermonaten alles andere als ein ruhiges Paradies. Aber paradiesisch ist sie trotzdem. Das Meer ist glasklar oder türkis, je nach Perspektive. Der Sand ist zwar etwas versteckt, aber im Wasser ist er weiß und fein. Es gibt Höhlen zu entdecken und Felsen zu erklettern. Man muss einfach nur den Blick weg von den Handtüchern auf das Wesentliche lenken: das, was die Natur zu bieten hat.

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Auf dem Weg zur Bucht steht ein Schild mit dem Hinweis, dass die Caló im Privatbesitz einer Familie ist, die das Gelände pflegt und sauber hält. Es gibt jetzt bestimmt Kritiker, für die damit der Charme einer naturbelassenen Bucht verloren geht. Aber ich finde, das ist irgendwie beruhigend. Es zeigt, dass es Menschen gibt, die nicht nur an sich denken und vielleicht gehört das zum Glücklichsein dazu. Dass man das Glück zwar in sich findet, aber den Rest der Welt um sich herum dabei nicht vergisst. Okay, bevor ich selbst einer dieser Ratgeber werde, höre ich lieber auf. Denn eigentlich ist es doch relativ unbedeutend wie wir glücklich werden. Hauptsache wir sind es.


4 Kommentare

    1. Vielen Dank! Hab ich schon öfter gehört, dass die Cala Pi superschön sein soll. Ich war noch nicht da, aber ich werde es mir auf jeden Fall mal vornehmen. 🙂

      Gefällt 1 Person

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