S’Albufera & Playa de Muro – Mallorcas wilder Norden

reisen auf mallorca


» Monde und Jahre vergehen und sind immer vergangen, aber ein schöner Moment leuchtet das ganze Leben hindurch. «

– Franz Grillparzer

Wann könnte dieses Zitat besser passen jetzt, am Anfang eines neuen Jahres? Wir wundern uns jedes Silvester darüber, wie die Zeit so schnell vergehen konnte, dabei sollten wir doch inzwischen wissen, dass 365 Tage eben nicht besonders viel sind. Und das einfach mal so hinnehmen. Denn welchen Unterschied macht es schon, ob auf dem Kalender nun 2015 oder 2016 steht? Jahre vergehen, Erinnerungen bleiben. Statt also festzustellen, wie kurz das Jahr war, sollten wir nächstes Mal lieber darüber nachdenken, wie viele schöne Momente in diese eine Jahr gepasst haben. Und keine Frage: Die Reisen auf Mallorca gehörten für mich dazu.

Naturpark auf Mallorca

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Dieses Mal begann der Tag im größten Feuchtgebiet der Balearen, dem Naturschutzpark S’Albufera. Wieder bin ich an einem Ort, den man mit nichts vergleichen kann, was ich bisher auf der Insel gesehen habe. Plötzlich stehe ich vor meterhohem Schilf, vor Sümpfen und Teichen und weiten Feldern. Der Park ist in vier unterschiedliche lange Routen unterteilt; die kürzesten liegen bei ein einigen hundert Metern, die längste bei knapp 10 Kilometern. Als ich das lese, denke ich zum ersten Mal, dass ein Fahrrad vielleicht keine schlechte Idee gewesen wäre. Vor allem, weil die ersten anderthalb Kilometer schon hinter uns liegen, nur um zum Startpunkt der Strecken zu kommen…

Aber ein Fahrrad ist nicht das einzige fehlende Equipment, wie ich schnell festgestellt habe. Ich muss ehrlich zugeben: Wirklich gut ausgerüstet für den Park waren wir im Vergleich mit den anderen Besuchern nicht. Die radeln gemütlich über die Wege und packen an den Aussichtspunkten ihre Ferngläser und Tele-Objektive aus. Und dann sind da wir – zu Fuß, ohne Fernglas oder Tele-Objektiv. Also es hat auch etwas, die anderen Menschen mit ihren riesigen Objektiven zu beobachten. Nur irgendwie wäre es doch schön gewesen, ein bisschen mehr von den eigentlichen Besonderheiten des Parks zu sehen. Von den 300 Vogelarten, den Schildkröten und Fledermäusen. Aber ich schätze, das ist eine gute Ausrede, noch einmal wieder zu kommen.

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Von Park S’Albufera ging es weiter an die nahe liegende Playa de Muro, die definitiv zu meinen Top 3 der schönsten Strände Mallorcas gehört. Die Gründe dafür sind erstmal offensichtlich: Der Strand ist lang, der Sand weiß, das Meer türkis. Aber da ist noch etwas anderes, das mich in Urlaube aus meiner Kindheit zurückversetzt: Wilde Wellen. So wild, dass ich glatt von meiner Luftmatratze gefegt und – wie damals als kleines Mädchen – an den Strand gespült werde. Manche Dinge ändern sich eben nie. Sobald ich wieder an der Wasseroberfläche bin, beginnt die Jagd auf die Luftmatratze, die gefühlt ans andere Ende des Strands getrieben ist. Das mag sich furchtbar anhören, unentspannt und chaotisch. Und wirklich, sich lässig auf der Luftmatratze zu sonnen ist ziemlich unmöglich. Aber das hier ist eigentlich viel besser, weil ich lache und schreie und alles vergesse. Irgendwo zwischen Adrenalinkick und Glücksgefühl.

Ich habe mir sagen lassen, dass man an der Playa de Muro wunderbar in den Sonnenaufgang joggen kann und, dass das ein ganz besonderes Erlebnis ist. Und ich kann es mir vorstellen, wirklich. Aber ich habe es bei der Vorstellung belassen. Man muss nicht alles nachmachen, hab ich als Kind mal gelernt und während so ein Sonnenaufgangs-Run für manche bestimmt traumhaft schön klingt und ist, erscheint es mir einfach noch viel besser, um halb sieben tief und fest in einem großen Hotelbett zu schlafen.

Strand auf Mallorca

Reisetipp Playa de Muro auf Mallorca

Und dann war da mal wieder dieser Zufall. Im Flugzeug auf dem Weg zurück habe ich gerade mein Notizbuch vor mir, als mein Sitznachbar fragt, warum ich etwas über die Playa de Muro aufschreibe. (Wir ignorieren jetzt mal die Tatsache, dass er anscheinend etwas neugierig war) Wie sich herausgestellt hat, kommt er selbst aus der Gegend, wohnt nicht mal 20 Minuten von dem Strand entfernt – und war im Sommer kein einziges Mal dort. Das ist das Gute daran, wenn man nicht am Meer wohnt – so oft ich mir das auch wünschen würde. Es ist jedes Mal was Besonderes, die Fahrt voller Vorfreude und jeder Moment wird im Kopf gespeichert, denn wer weiß, wann man das nächste Mal da sein wird.

Zum Abschied hat mein Sitznachbar übrigens strahlend verkündet, dass wir ihn doch mal besuchen sollen, wenn wir das nächste Mal auf Mallorca sind – ohne uns Namen, Telefonnummer, Facebook-Kontakt oder etwas mit Hinweis auf seine Identität zu nennen. Also auch wenn Mallorca nicht einmal 900.000 Einwohner hat, erscheint es mir doch ziemlich unwahrscheinlich ihn da wiederzufinden. Und trotzdem weiß ich danach wieder, warum mir Mallorquiner irgendwie sympathisch sind.

Urlaub auf Mallorca

Strand Playa de Muro auf Mallorca

Ich habe vor kurzem einen Artikel darüber gelesen, wie leicht unser Gedächtnis zu manipulieren ist. Wie schnell wir Details vergessen oder uns neue dazu denken. Ich weiß nicht, ob das jetzt auch so ein Fall ist. Dass ich mir beim Blick auf den braunen Schneematsch vor meinem Fenster alles noch besser ausmale, als es wirklich war. Den Strand länger, das Meer türkiser, den Sand weißer. Ja, vielleicht. Aber vielleicht ist das auch völlig okay. Denn solange uns eine Erinnerung zum Lächeln bringt, solange sie Bilder und Klänge in unseren Köpfen tanzen lässt, ist glaube ich alles, was wir tun sollten, sie zu genießen und zu bewahren und glücklich zu sein über das, was wir erlebt haben.


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