Alcúdia oder ein Tag zum Genießen

Alcúdia auf Mallorca


» Die am meisten nach Genuss jagen,
erlangen ihn am wenigsten. «

– Marcus Tullius Cicero

Wenn ich „Alcúdia“ höre, dann denke ich an einen Tag, von dem ich jeden Moment genossen habe. Das mag nicht ungewöhnlich klingen für einen Urlaubstag, aber irgendwie war es das doch. Weil hier buchstäblich alles zum Genießen war. Der historische Charme der Altstadt, das bunte Treiben auf dem Markt, die wilden Buchten und das fantastische Essen. Aber der Reihe nach.

Zuallererst wurde Alcúdia für mich zu einer Stadt, bei der ich zur richtigen Zeit am richtigen Ort war. Denn ohne es zu wissen, bin ich am Markttag hier gelandet. Als ich in den Ort fahre, wird mir der Fakt allerdings schnell bewusst. So viel Verkehr für eine Kleinstadt mit gut 6000 Einwohnern ist eindeutig nicht normal. Autos drehen ihre Runden, und hoffen ebenfalls zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein, denn die Parkplatzsuche ist eine reine Glückssache. Aber sobald das geschafft ist, sobald der Gang raus und die Handbremse angezogen ist, lässt man den Fahrstress am besten hinter sich. Raus aus dem Auto, rein ins Getümmel.

Man tritt durch die mittelalterlichen Stadtmauern und ist in einer anderen Welt. Keine Autos und kein Hupen mehr, stattdessen bunte Stände und Menschen über Menschen. Fast die ganze Altstadt hat sich in einen Markt verwandelt, man weiß kaum wohin man zuerst sehen oder gehen soll. Der Markt scheint nicht zu enden. Aber dann findet man sie doch, die Ecken und Gassen, in die man verschwinden kann, wenn einem der Trubel zu viel wird. Die kleinen Straßen, in denen es plötzlich still ist und ich Zeit habe, in Ruhe ein Foto zu machen, ohne ständig einen Hinterkopf vor der Linse zu haben.

Markt auf Mallorca

IMG_2863

Wer einen Marktbesuch auf Mallorca plant, hat die Wahl: Große Auswahl am Morgen oder Angebote am Mittag? Bei mir läuft es meistens aufs Zweite hinaus, einfach, weil ich zu lange schlafe um pünktlich auf dem Marktplatz zu stehen. Und so bekomme ich mallorquinische Weintrauben zum Sonderpreis, in einer so großen Tüte, dass sie eigentlich für den Rest des Urlaubs reichen müsste. Also wie gesagt… müsste. Das ist auch ein gutes Stichwort, denn rein theoretische gibt es auf einem Markt genug Essen, dass man erstmal satt sein müsste. Also, weg von den Konjunktiven, hin zur Realität: Für mich ging es vom Markt direkt weiter in ein Restaurant.

Altstadt von Alcúdia

Damit ich keinen falschen Eindruck erwecke: Wenn ich in meinen Artikeln ein Restaurant empfehle, dann nicht, weil ich es muss, sondern weil ich es genauso meinen Eltern, meiner besten Freundin oder meinem Flugzeugnachbarn empfehlen würde. Weil es mich überzeugt hat und weil ich glaube, dass ein gutes Essen jeden Tag ein bisschen besser machen kann. Das Bistró del Jardín ist absolut in der Lage, einen Tag mehr als nur ein bisschen zu verbessern. Die Location erinnert an einen verwunschenen Garten, der Smalltalk ist herzlich (ja, der Kellner hier hat bewiesen, dass Smalltalk tatsächlich herzlich sein kann), und das Essen… ein Traum: Produkte frisch aus Mallorca, mit Können dekoriert und mit noch mehr Können zubereitet.

Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass ich hier nicht den besten Nachtisch meines Lebens gegessen habe. Mich kann schon ein einfaches Stück Schokolade glücklich machen. Aber in diesem Dessert gab es Schokolade in sämtlicher Form – als Mousse, als Eis, als Kuchen, als Splitter, weiß und dunkel. Bridget Jones wäre entzückt gewesen und ich war es definitiv. Mehr Genuss passt nicht auf einen Teller.

IMG_2879 IMG_2883 IMG_2886 IMG_2895 Restaurants auf Mallorca Bistro Jardin

Wie das bei gutem Essen, besonders in Kombination mit gutem Wein, so ist, vergehen Stunden, ohne dass man es merkt. Als wir uns schließlich losreißen, hat der Kellner noch einen Tipp für den anschließenden Strandbesuch parat. Im kleinen Dorf El Mal Pas, nordöstlich von Alcúdia, gebe es mehrere Buchten, die klein, aber dafür leerer und weniger touristisch seien. El Mal Pas? Noch nie gehört, 10 Fahrtminuten entfernt und damit genau richtig für einen spontanen Ausflug.

Zugegeben: Mit dem 7 Kilometer langen Sandstrand von Alcúdia können die Buchten in El Mal Pas auf den ersten Blick nicht mithalten. Die Länge einer Bucht beträgt schätzungsweise 1/100 davon. Aber wer es naturbelassener und stiller mag, wer ein Liebhaber von Wind und Wellen ist, der wird sich hier wohlfühlen. Vom Strand aus sieht man die Halbinsel Formentor, die Berge, die Wellen brechen. Wer hier steht, erlebt ein Stück wildes Mallorca.

IMG_2913

IMG_2908

Alcúdia gilt als älteste Stadt Mallorcas und passend dazu ist der Spruch von Cicero wohl der älteste, den ich bis jetzt hier zitiert habe. Manche Weisheiten verlieren nie ihre Gültigkeit, auch wenn sie über 2000 Jahre alt sind. Man kann keinen Genuss jagen, schon die Kombination der beiden Wörter ist eigentlich ein Widerspruch. Denn wie will man genießen, wenn man immerzu auf der Jagd ist? Es geht doch vielmehr darum, zur Ruhe zu kommen, sich fallen zu lassen und im Augenblick zu leben. Und dann kommt der Genuss von ganz allein.


 

2 Kommentare

  1. Hört sich super dort an und die Bilder sprechen auch für sich. Im Januar steht Mallorca wieder auf dem Plan 🙂
    Welcher Tag war jetzt eigentlich markttag? Samstag?

    Liken

    1. Danke! Ich war an einem Dienstag da und sonntags ist, wie ich das gelesen habe, auch Markt.
      Ich wünsche dir schon mal einen schönen Urlaub, vielleicht hast du ja Glück und bekommst sogar die Mandelbaumblüte mit. 🙂

      Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s