Artà – Von Schönheit auf den zweiten Blick

Reisen auf Mallorca - der Ort Arta

 


» Je mehr wir alles beschleunigen, desto weniger Zeit haben wir. Weil wir die Fähigkeit verlieren, uns Zeit zu lassen. «

– Paul Schibler

Ich habe gelernt, mich nicht auf den ersten Blick zu verlassen. Sonst wäre ich vermutlich aus Magdeburg, meinem momentanen Wohnort, beim ersten Besuch schreiend wieder weggerannt. Und Artà, eine Kleinstadt im Osten Mallorcas, hätte ich vermutlich nur durchfahren, aber niemals weiter betreten. Denn auch wenn die beiden Orte ansonsten nicht viel gemeinsam haben: Der Stadteingang ist weder in dem einen noch in dem anderen besonders einladend.

Aber wenn man sich in die Altstadt hinter den ersten Häusern hinein wagt, entdeckt man die schönen Seiten. Und man findet Plätze, wo es schade wäre, wenn man sie verpasst hätte. In Artá ist das zunächst einmal die Fußgängerzone. Sie ist bunt und lebendig und was mich an ihr besonders begeistert sind die vielen Läden mit Accessoires und Deko-Artikeln. Dinge, die man eigentlich nicht braucht und die einfach nur existieren um schön auszusehen. Aber es sind eben auch die Dinge, von denen frau (oder wenigstens ich) nie genug haben kann und die ich mir stundenlang anschauen könnte.

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Einer der Läden, die man sich nicht entgehen lassen sollte, ist DomusArt. Auch, wenn man sich während seines Urlaubs eher keine Kommode und auch keinen Esstisch kaufen wird, findet man unglaublich viel Inspiration hier. Etwa Lampen, in die echte Baumstämme verarbeitet wurden oder Geschirr, bei dem jedes Teil einzigartig ist. „BE HAPPY“, steht in großen Holzbuchstaben auf einem Tisch vor dem Eingang geschrieben. Und wirklich, bei all den bunten Farben und liebevollen Details wird einem fast automatisch ein Lächeln aufs Gesicht gezaubert. Das einzig Traurige ist, dass die Dinge immer noch in dem Geschäft und nicht in meiner Wohnung stehen.

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Das wirkliche Highlight des Ortes ist aber keines der Deko-Geschäfte, sondern die Kirche Sant Salvador mit der dazugehörigen Festung. Sicher, sie ist ohne Zweifel ein Touristenmagnet. Aber sie ist keiner, um den ein unnötig großer Hype gemacht wird, an dem sich die Besucher drängeln, und wo die Leute nur hinkommen um schnell ein Selfie zu machen. Dazu muss gesagt werden: Mit „schnell“ hinkommen ist da sowieso nichts. Zunächst einmal muss man eine Treppe nach oben steigen, mit nicht gerade wenig Stufen. Immerhin saß bei meinem Besuch ein Gitarrenspieler am Rand und hat alle vorbeikommenden Menschen mit seiner Musik zum Weitergehen motiviert.

Trotzdem muss man während des Aufstiegs immer wieder anhalten. Oder besser gesagt: Man sollte es. Weil man während des Laufens gar nicht wirklich realisieren kann, wie der Ort immer kleiner und der Ausblick gleichzeitig immer schöner wird. Und auch aus dem Grund, weil man sonst die Momente verpasst, die später die besten Geschichten werden. Zum Beispiel, wie eine ganze Familie versucht, einen pinken Hut – ich muss die Frage einfach stellen: Warum hat jemand überhaupt einen pinken Hut? –  wieder zu bekommen, der vom Kopf auf eins der Häuser geweht wurde. (Wie es ausgegangen ist, weiß ich leider nicht, so lange wollte ich dann doch nicht stehen bleiben. Was ich beobachtet habe, sah allerdings wenig erfolgsversprechend aus.)

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Ich sollte es inzwischen gelernt haben, aber irgendwie passiert es mir immer wieder: Ich bleibe auf dem Weg alle fünf Meter stehen, mache Fotos über Fotos und stelle dann fest, dass der Ausblick am Ziel angekommen noch viel schöner ist. So war es auch hier. Die Aussicht vom Platz um die Burgfestung ist die Perfektion von dem, was man während des Aufstiegs bereits gesehen hat. Zu einer Seite liegt unter einem der Artà, wie ein kleines Meer aus roten Dächern. Zur anderen sieht man Natur, grüne Felder und ganz hinten das echte Meer.

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Und wo wir schon mal beim Meer sind: Zu Mallorcas Küste kann man von hieraus auch problemlos einen Abstecher machen. Innerhalb von etwa 20 Minuten ist man da und dann hat man gleich drei Buchten zur Auswahl. Von unserer ersten Station, der Cala Torta, kann man – dieses Mal wirklich – problemlos zu den beiden anderen kleinen Stränden laufen und sich seinen Lieblingsplatz aussuchen.

Eine Warnung kann ich allerdings nicht verschweigen: So schön wie die Buchten sind, so schlecht sind die Straßen, die dahin führen. Schlagloch folgt auf Schlagloch und das ist keine Übertreibung. Nach ein paar Metern kapitulieren wir bei dem Versuch, jedes Loch zu umkurven. Zumindest rollen wir nur langsam durch die Löcher, statt wie manch anderer darüber zu rasen, vermutlich beflügelt durch den Gedanken: Ist ja nur das Mietauto.

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Aussicht von der Cala Torta auf Mallorca

Springen wir nochmal drei Absätze zurück. Da ging es ums Anhalten, ums Stehen bleiben. Und irgendwie gilt das doch nicht nur fürs Treppen steigen. Wann haben wir zum letzten Mal unser Leben ein bisschen entschleunigt, statt immer nur schneller und schneller zu werden? Ich weiß es nicht. Dabei ist das Leben doch kein Wettrennen. Es geht nicht darum, als Erster an irgendein Ziel zu kommen, denn was oder wo soll das Ziel denn überhaupt sein? Es ist doch so: Die schönsten Sachen vergehen schon von alleine viel zu schnell. Ist es da nicht besser, sich dann wenigstens Zeit zu lassen und sie voll und ganz zu genießen? Also: Lasst es uns ruhig angehen und lasst uns die Welt bestaunen. Lasst es uns ruhig angehen und lasst uns Erinnerungen schaffen.


6 Kommentare

  1. So nett geschrieben… Ich bin schon gespannt auf unsere Urlaubszeit im April 2016…Ich will das selbst sehen und mit dem Fotoapparat einfangen… Unbedingt!!!

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    1. Dankeschön. Und ja, das kann ich wirklich nur empfehlen, die Insel ist perfekt zum Fotografieren. Ich wünsche mal schon jetzt einen tollen Urlaub. 🙂

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