Portixol – Wenn aus Fischerhäuschen Millionärsapartments werden

Reisetipp Portixol in Palma de Mallorca


» Es ist immer besser, unterschätzt zu werden.«

– Michael Scott

Wer im Internet nach Dingen sucht, die man in Palma gemacht, gesehen, gegessen haben muss, liest von der Kathedrale La Seu, dem Es Baluard Museum oder dem Castillo Bellver. Wenn die Seite sogenannte „Insider-Tipps“ verrät, kommen vielleicht noch der Santa-Catalina-Markt und eine angesagte Tapas-Bar dazu. Eher selten – eigentlich nie – wird das Viertel Portixol erwähnt. Vielleicht, weil es nicht direkt im Zentrum liegt oder weil es als ehemaliges Fischerviertel von den Reiseführern immer noch unterschätzt wird. Also muss ich die Sache wohl in die Hand nehmen und der Welt (oder zumindest dem kleinen Teil, der meinen Blog liest) den Ratschlag geben: Wenn ihr irgendwann in Palma seid, macht unbedingt einen Abstecher nach Portixol.

Urlaub Palma de Mallorca

Hafen in Palma de Mallorca

Mir wäre das Viertel beinahe entgangen, obwohl ich fast täglich da war. Nur eben nie so richtig. Vielleicht kennt ihr das: Man kommt an einem bestimmten Café, einem Laden oder einer Bar ständig vorbei, nimmt sich jedes Mal vor hineinzugehen und schafft es dann doch nie. So ging es mir mit den Cafés in Portixol. Ich war zum Fotografieren hier, zum Spazieren, bin an ihnen vorbei gefahren auf meinem Weg zur Arbeit. Immer wieder habe ich gedacht, wie schön und einladend und individuell sie aussehen – und am Ende hat es trotzdem ein Jahr gedauert, bis ich das Erste betreten habe. Und als ich dann endlich auf einer der Terrassen saß, mit einen Smoothie und dem Blick auf die kleinen Fischerboote, dachte ich mir: Warum nur, habe ich so lange damit gewartet.

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Portixol hat einen unglaublichen Wandel hinter sich, von einem heruntergekommenen Ort, um den man am besten einen großen Bogen machte, hin zum neuen Trend-Viertel. Denn auch wenn Portixol unter Touristen noch als Geheimtipp gilt, für Mallorquiner ist es das längst nicht mehr. Unter der Woche sitzen sie in den Cafés, genießen die Siesta oder später ihren After-Work-Drink. Am Wochenende muss man teilweise schon suchen, um draußen einen freien Platz zu finden. Vor einem Restaurant gab es sogar einen kleinen Massenansturm – aber Paella und Nachtisch zusammen für 7,90 Euro sind auch einfach unschlagbar.

Damit wäre auch der erste Grund klar, warum Portixol so beliebt geworden ist. Die Preise in den Bars sind (noch) günstiger als im Zentrum Palmas und trotzdem bekommt man keine Billigprodukte vorgesetzt. Überall wird mit frischen Säften, Smoothies oder Salaten geworben. Die Cafés schaffen die Balance zwischen gesunder Küche und gleichzeitig hippen Design. Eins ist schöner und kreativer eingerichtet als das nächste. Und hier gibt es endlich das, was ich in den noch so schönen Bars im Santa Catalina Viertel vermisst habe: Den Blick aufs Meer.

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Fast alles in Portixol ist ein bisschen kleiner als in Palmas Zentrum. Der Hafen, die Boote, die Häuser. Nur eins ist wunderschön breit und lang: die Strandpromenade, die deshalb auch zum Ziel von Fans sämtlicher Sportarten wird. Ob Inlineskater, Jogger, Skateboarder oder Radfahrer, ganz egal aus welcher Altersklasse; hier ist der Treffpunkt. Junge Skater fahren so wild, dass man Angst hat, sie könnten von der Promenade direkt ins Mittelmeer rasen. während die Älteren lässig ihre Tricks präsentieren. Und die noch ältere Generation schlängelt sich auf ihrem Sonntagsspaziergang seelenruhig dazwischen durch.

Die Promenade ist auch tatsächlich eine der wenigen Strecken auf Mallorca, die ich zum Joggen empfehlen würde, weil Anstiege praktisch nicht vorhanden sind. Man sollte nur damit umgehen können, dass man gefühlt alle paar Meter von super durchtrainierten Menschen überholt wird. Wer statt zum Zentrum in die andere Richtung joggt, erreicht am Ende Ciudad Jardin mit einem knapp 500 Meter langen Strand, an dem auch im Sommer noch angenehm viel Platz ist. Und was gibt es Besseres, als nach einem Lauf kurz ins Meer zu springen?

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Trotz des sportlich-entspannten Lebensstils, den man auf der Promenade und in den Cafés spürt, sind die Immobilienpreise hier kaum niedriger als in den Luxusorten der Insel. Und dennoch gibt es einen entscheidenden Unterschied: Man sieht den Apartments hier ihren Preis nicht sofort an. Sie wirken immer noch bodenständig und haben den Charakter der alten Fischerhäuser behalten. Man denkt nicht zuerst ans Geld, wenn man durch das Viertel spaziert. Man denkt an die Leichtigkeit des Sommers, an das Glück am ersten Urlaubstag und daran, dass man öfter mal nur für den Moment leben sollte.

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Vielleicht ist auch das der Grund, warum Portixol immer noch ein bisschen unterschätzt wird. Weil man den eigentlichen Luxus, den das Viertel bietet, nicht direkt sieht. Ich meine damit nicht den materiellen Luxus, der vermutlich hinter den Wänden der kleinen Häuser steckt. Ein Spaziergang durch Portixol ist perfekt, um nachzudenken oder einfach mal an nichts zu denken. Man kann beim Joggen abschalten oder sich verausgaben und es ist egal, wie man aussieht, weil man unter den vielen Sportlern mit Sicherheit nicht der einzige ist, der knallrot und komplett fertig ist. Man kann die Sonne genießen und das Leben gleich mit. Und das ist ein Luxus, den kein Geld der Welt bezahlen kann.


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