La Lonja Viertel – Palmas unverstellte Seite

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» Vollkommene Aufrichtigkeit ist der Weg zur Originalität. «

– Charles Baudelaire

Aufrichtig Sein müsste eigentlich das Einfachste auf der Welt sein. Weil man sich eben nicht verstellen muss, niemanden nachahmen muss, sondern einfach man selbst sein kann. Stattdessen ist es oftmals eins der schwierigsten Dinge auf der Welt. Weil es irgendwie so viel Mut braucht, sein eigenes Leben zu leben und dahinter zu stehen, wie man aussieht, was man macht und sagt. Ohne behaupten zu wollen, dass mir es immer gelingt – ich denke, es ist Mut, der sich lohnt. Weil wir so nicht nur zu einem Original, sondern wahrscheinlich auch am glücklichsten werden.

Wenn ich Palmas La Lonja Viertel in nur einem Wort beschreiben müsste, würde ich wohl authentisch wählen. Die Restaurants, Bars und gesamten Straßen schaffen es mit Leichtigkeit, genau die Aufrichtigkeit und Authentizität zu beweisen, von der Charles Baudelaire spricht. Ob man nur an den Restaurants vorbeischlendert, oder tatsächlich eine der Tapas-Bars betritt (was man nebenbei gesagt unbedingt einmal tun sollte): Es wirkt alles unverstellt und unbeeindruckt von Palmas Aufstieg zum immer beliebteren Reiseziel und den damit verbundenen Touristenscharen, die hier täglich durch die Gassen laufen. Von seinem historischen Flair ist nichts verloren gegangen.

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Ich muss leider zugeben:, dass die Fotos es nicht im Ansatz schaffen, dem Viertel gerecht zu werden. Stimmungen einzufangen ist immer schwierig und der besondere Charme geht viel zu oft verloren. In dem Fall müsst ihr es euch einfach denken: Das Stimmengewirr und die verschiedenen Sprachen, die man in den Straßen neben sich hört, die leichten Essensdüfte, die aus den Restaurants wehen und überhaupt das Treiben, das hier zu fast jeder Tages- und Nachtzeit herrscht.

Ein Großteil der Gassen hier sind Fußgängerstraßen, sodass man wirklich in Ruhe spazieren, anhalten und weitergehen kann, wie man Lust hat. Nur ein paar Rollerfahrer trifft man, die das mit dem Fahrverbot anscheinend nicht so genau nehmen. Die Straßen sind – wie gewohnt – eng und kurvig, und kommen einem zumindest während der ersten Tage fast ein bisschen Labyrinth-ähnlich vor. Wer einen schönen Platz gefunden hat, sollte ihn also am besten gleich auf einer Karte markieren. Denn alles abseits der Hauptstraße des Viertels, der Calle D’Apuntadores, lädt zum Verlaufen und Nicht-Mehr-Wiederfinden eines Ortes ein. Das ist wohl der Nachteil daran, dass sich alles irgendwie ähnelt, mit den alten Häusern, gepflasterten Straßen und bunten Fensterläden.

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IMG_2053Aber manchmal ist es ja zum Glück gar nicht schlimm, wenn man sich verläuft. Vorausgesetzt, man hat keinen Zeitdruck, sondern will einfach eine Stadt kennen lernen. Dann kann es einem nämlich gehen wie mir: Man findet Orte, macht Fotos und stellt später fest, wie schön die Ecken waren, ohne genau zu wissen, wo sie eigentlich waren. Schwierig wird es eben nur, wenn man später einmal an den Ort zurück will. Sonst bleiben es eben nur geheimnisvolle Plätze, bei denen nur das entstandene Foto beweist, dass es sie wirklich gibt.

Die erwähnte Calle D’Apuntadores ist die eine Straße, die man bei einem Ausflug ins La Lonja Viertels auf keinen Fall verpassen sollte, aber andererseits auch gar nicht wirklich verpassen kann. Sie beginnt direkt am Paseo del Born und das wiederum ist die Allee, auf der eigentlich jeder Palma-Besucher mindestens einmal entlang gelaufen ist. Hier findet man nicht nur das Touristenbüro, sondern ein Stück weiter vor allem Luxuswohnungen, gehobene Cafés und Geschäfte wie Hugo Boss. Ab und an gibt’s hier auch mal ein Fotohooting.

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Wenn man dann in die Calle D’Apuntadores abbiegt, findet man ein anderes Palma vor. Kleiner und enger ist hier alles, die meisten Restaurants und Bars bieten Platz für weniger Leute. Von außen sind sie eher unscheinbar, besonders die Tapas-Bars, zu denen man oftmals erst eine Treppe herunter gehen muss. Die spanische Tapas-Küche ist wohl Geschmackssache, meinen hat sie aber genau getroffen. Von vielen Sachen kleine Portionen probieren – absolut das Richtige für Leute wie mich, die sich meistens nicht entscheiden können.

Die Bars im La Lonja Viertel sind auch unter der Woche gut gefüllt. Touristen sitzen neben Mallorquinern, und zwar ziemlich direkt daneben. Wer schon einmal in einer Tapasbar war, weiß: Große Abstände zwischen den Tischen gibt es kaum, stattdessen ist es eng, gemütlich, und gerne mal etwas lauter. Mein Tipp für alle, die beim nächsten Palma-Trip selbst Tapas-Restaurant besuchen wollen, ist die Bar Día, die mich mit ihrer großen, leckeren Auswahl und angemessenen Preisen überzeugt hat.

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Palma wurde vor einigen Monaten von dem Magazin The Sunday Times zum „Best Place to Live in the world“ ernannt. Weil es Strände hat, eine malerisch schöne Altstadt und eine ganze Insel, die von Palma aus bequem und mit relativ kurzen Fahrtzeiten entdeckt werden kann. Ich persönlich kann nicht sagen, ob Palma tatsächlich der beste Ort zum Leben in der Welt ist und bezweifle auch, dass ein objektives Urteil darüber wirklich möglich ist. Aber ich kann sagen, dass Palma ein sehr schöner Ort zum Leben ist. Aus den genannten Gründen der Sunday Times, aber auch wegen seiner Leichtigkeit, seiner Vielfalt und dieser Echtheit,  die ganz besonders über den Gassen von La Lonja liegt.


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