Sineu und ein Markt voll Möglichkeiten

IMG_1994

» Habe keine Angst, etwas Neues auszuprobieren.
Bedenke, die Arche wurde von einem Amateur gebaut, die Titanic von Profis. «

– Richard J. Needham


Nein, ich habe nicht vor ein Schiff zu bauen. Ich wäre froh, wenn ich ein Papierboot so falten könnte, dass es nicht nach 20 Zentimetern Fahrt untergeht. Aber ansonsten finde ich, Richard Needham trifft es in dem Zitat ziemlich genau. Wie oft verlassen wir uns auf die Gewohnheit und den Weg, den wir genau kennen, statt einen neuen zu gehen? Ein bisschen weniger Angst, ein bisschen mehr Risiko. Vielleicht sollte das zum Motto für diesen Sommer werden.

Ein Marktbesuch ist bestimmt nichts, wo man ein wahnsinnig hohes Risiko eingeht. Aber zumindest ein Ort, der einem viele Möglichkeiten bietet, etwas Neues zu probieren. Dieses Mal ging es auf den wohl bekanntesten und angeblich auch besten Wochenmarkt der Insel: Der Mercat de Sineu. Jeden Mittwoch soll sich der kleine Ort in eine echte Touristenhochburg verwandeln. Und wirklich: Diese Aussage kann man bestätigen, ohne Sineu überhaupt betreten zu haben. Die Straßen sind schon am Ortseingang voll geparkt mit Autos, der große Parkplatz ist komplett von Bussen belegt. Wir fahren ein paar Mal im Kreis, bis wir einen freien Platz finden – und das wohlbemerkt im März.

IMG_2022

IMG_2027
Je näher man ans Ortszentrum kommt, desto weniger sind die Straßen voll mit Autos, dafür mit Menschen und Ständen. Im ersten Moment bin ich fast ein bisschen überfordert. Soll ich wirklich noch weiter in die Menschenmasse eintauchen? Ich kann Entwarnung geben: Schon nach kurzer Zeit verläuft sich die Menge, man hat wieder Platz zum Atmen, zum Stehenbleiben und Staunen. Den Platz braucht man auch, um wirklich alles aufzunehmen und zu beobachten, was um sich herum passiert. Die Gerüche, Farben und Geräusche. Musik zieht durch die Straßen, die fast so vielfältig ist, wie das Warenangebot. Man hört indianischen Sound, spanischer Gitarrenpop und Blaskapellen-Klänge und kann sich treiben lassen, mit und von der Musik.

Die spanische Mentalität ist hier wieder ein echter Vorteil. Trotz der vielen Menschen sind die Verkäufer absolut gelassen und nehmen sich Zeit, um mit den Käufern zu reden und Kostproben zu verteilen. Und das auf eine freundliche, niemals aufdringliche Art. Sie freuen sich, wenn man mit ihnen Spanisch spricht und ich freue mich, wenn ich einen grammatikalisch und Aussprache-technisch halbwegs korrekten Satz hinbekommen habe. Und wenn ich dann deutsche Übersetzungen lese wie „Ordnung bevor ich zwei Stunden vor“, fühle ich mich sogar noch ein bisschen besser. (Falls sich jemand wundert: Es sollte wohl heißen, dass man zwei Stunden bevor man essen möchte bestellen soll.)

IMG_2003

IMG_2000
Was den Markt in Sineu auf Mallorca einzigartig macht – und das kann man jetzt positiv oder negativ sehen – ist, dass hier noch lebende Tiere verkauft werden. Kaninchen, Esel, Hunde, Pferde und mehr werden angeboten. Eben alles, was kleine Mädchen entzückt und große Mädchen dazu bringt, sich zu fragen, ob die Ställe nicht ein bisIMG_2033schen zu klein für die Tiere sind. Besonders in den Sommer- monaten dürften das Ausstellen und die Transportwege wohl eher nicht unter artgerechte Haltung fallen. Tierschutzfreunde sollten diesen Teil des Marktes also besser meiden.

Mich persönlich begeistern sowieso viel mehr die kleinen Schweinchen, die ein Stück neben dem Tiermarkt ihre Kunststücke vorführen. Wettrennen, Pirouetten und Hindernisssprünge gehören zu ihrem Repertoire, so wie zwischendurch immer wieder der fordernde Blick nach einem Leckerli. Mein Herz schmilzt dahin, ich würde die beiden am liebsten mit Belohnungen nur so überhäufen. Man kann natürlich auch hier einwerfen inwieweit es tierschutzgerecht ist, Schweine dazu zu bringen, sich um ihre eigene Achse zu drehen. Aber soweit ich das beurteilen kann, wird hier kein Tier gequält; mit einer Spende unterstützt man die Ausbildung von Blindenhunden. Und Leckerlis gibt es auch, wenn der Trick nicht geklappt hat.

IMG_2017

Mein Tipp: Nicht hierher fahren, wenn man am nächsten Tag zurück fliegen muss. Oder aber viel Platz im Koffer lassen. Auf dem Markt gibt es einfach zu viele Sachen, die man mitnehmen möchte. Egal ob Wein, Käse, gebrannte Nüsse, Schokolade oder für die Gesundheitsbewussten Obst und Gemüse, man steht buchstäblich vor der Qual der Wahl. Denn das alles gibt es ja nicht nur einmal, sondern an vielen, vielen Ständen. Und das war nur ein kleiner Ausschnitt des Essens, das hier angeboten wird. Dazu kommen Lederwaren, Keramik, Kleidung oder – was mich besonders beeindruckt hat – aus Flaschen hergestellte Uhren…. Zusammengefasst: Es ist unmöglich, alles aufzuzählen, was man in Sineu kaufen kann.

IMG_2039

IMG_2045

Aber mal weg vom Marktgeschehen.  Sineu ist ein kleiner Ort im Landesinneren von Mallorca, genau genommen ist es der Ort auf der Insel, der am weitesten vom Meer weg ist. Aber Sineu hat seine Wege gefunden, das fehlende Wasser auszugleichen. Mit dem Markt natürlich (ja, ich musste ihn jetzt doch nochmal nennen). Aber auch mit charmanten Restaurants, alten Gassen und Kirchen, für die es sich lohnt, das Örtchen auch an einem anderen Tag als Mittwoch zu besuchen. Einfach mal was wagen, und nicht das tun was im Reiseführer steht. Einfach mal hinfahren, auch wenn nicht gerade Markttag ist.


Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s