Parc Natural de Mondragó – Wenn Schönheit irgendwo dazwischen liegt

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» Die Natur hat tausend Freuden für den, der sie sucht
und mit warmem Herzen in ihren Tempel eintritt. «

– Rahel Varnhagen von Ense

Ich glaube, es ist kein Geheimnis, dass ich über die Monate zu einem absoluten Mallorca-Fan geworden bin und dass ich nicht müde werde, Geschichten von der Insel zu erzählen. Ein Grund dafür ist, dass es sich nicht so anfühlt, als ob ich nur auf einer Insel unterwegs bin. Vor allem, wenn man bedenkt, dass Mallorca flächenmäßig nur einem Hundertstel von Deutschland entspricht. Die Insel ist etwa 1 ½ mal so groß wie das Saarland und fasziniert mich trotzdem immer wieder mit ihrer Vielfalt und ihren Gegensätzen. Zwischen den ruhigen Dörfern und den lebendigen Tapas-Bas und Märkten, dem großen Gebirge und den kleinen Buchten frage ich mich öfter: Bin ich überhaupt noch auf Mallorca?

Auch im Parc Natural de Mondragó ging mir die Frage durch den Kopf. Wobei der Park an sich für mich schon ein einzigartiges Bild an Kontrasten darstellt. Weißer Sand und türkisfarbenes Meer wie in der Karibik, wilde Dünen wie an der Ostsee, dazwischen harte Felsenküsten und Kiefernwälder. Und genau in dieser Mischung, eben „irgendwo dazwischen“, liegt die Schönheit des Naturschutzgebietes.

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Der Naturpark ist eine Art Gesamtwerk, ohne offizielles Highlight. Das ist angenehm, weil es so nicht die eine Stelle gibt, an der sich alle Touristen für das perfekte Foto drängen. Gleichzeitig ist das fehlende Highlight vielleicht auch der Grund, warum man die großen Menschenmassen hier ohnehin nicht trifft. Wer den Park entdecken will, sollte man einige Stunden einplanen. Die Wanderwege führen durch die Wälder und an den Küsten entlang, zwischendurch stößt man immer wieder auf eine Bucht. Und wie das meistens so ist: Die schönsten Stellen sind da, wo man die offiziellen Wege verlässt.

Manchmal kann man aber auch nicht anders, als von den Wegen abzuweichen. Ob man nun will oder nicht. Die Ausschilderungen sind eher sparsam gehalten und wer da nicht mit einer Karte unterwegs ist, kann schon mal verloren gehen. Aber im Urlaub gibt’s schließlich keinen Zeitdruck – und die besten Fotomotive sind oft da, wo man sie am wenigsten erwartet. Apropos Fotomotive: Ich bin in dem Park nicht dazu gekommen, die Kamera mal länger als ein paar Minuten aus der Hand zu legen.  Es kann sein, dass das eventuell ein bisschen an mir liegt, aber zur Sicherheit: Vollen Akku und leere Speicherkarte nicht vergessen.

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Ein Tag im Naturpark Mondragó ist für mich eine Kombination aus Abenteuer und Romantik. Wer ein bisschen Abenteuer sucht, muss nur über die Felsen klettern, statt den befestigten Weg zu wählen. Sicher, das ist nicht der größte Adrenalinkick der Welt. Aber für die eher Vorsichtigen, wie mich, reicht das für den Anfang schon aus. Und wer die kleinen Buchten, die man mit etwas Glück außerhalb der Hauptsaison (fast) für sich haben kann, nicht romantisch findet… bei dem ist glaube ich jede Hoffnung verloren. Das „klein“ ist bei zumindest einer Bucht allerdings wörtlich zu nehmen. Bei 10 Familien, die sich mit ihren Handtüchern hinlegen, wäre von dem Sand vermutlich nicht mehr viel zu sehen.

Neben den kleinen Buchten findet man in dem Park auch einen der für mich schönsten Strände der Insel. Die Cala S’Amarador. Man erreicht sie nicht direkt mit Bus oder Auto,  es gibt dort kein Hotel und kein Restaurant, nicht mal Sonnenschirme. Es mag komisch klingen, das über einem Strand zu sagen, aber die Cala S’Amarador ist irgendwie natürlich geblieben. Und: Nicht all zu viele haben die Lust, sich auf den Weg hierher zu machen. Erst recht nicht, wo es ja genügend andere Strände auf Mallorca gibt, die einfacher zu erreichen sind. Aber ich glaube, wenn man weiß – oder sieht – was einen an der Cala S’Amarador erwartet, ist es nicht besonders schwer, sich für den kurzen Fußmarsch dorthin zu motivieren.

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Wie gesagt, ein Hotel sucht man hier vergeblich. Aber ein Haus gibt es an der Cala S’Amarador doch. Auf den ersten Blick fällt es gar nicht auf, so perfekt passt es in die umliegenden Felsen. Das Haus ist winzig und alt und in dem aktuellen Zustand eher nicht bewohnbar. Trotzdem: Wenn ich technisch und finanziell in der Lage wäre, mein eigenes Haus zu bauen, wäre das mein Vorbild. Gut, ich würde es vielleicht etwas moderner gestalten und ein bisschen größer dürfte es auch sein, Aber die Vorstellung nur einen Schritt aus dem Haus zu gehen und direkt im (nicht am) Meer zu sein – viel schöner könnte ich es mir nicht ausmalen zu wohnen.

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Manchmal werde ich gefragt, warum ich  immer wieder nach Mallorca fliege; es gebe doch so viele andere Orte auf der Welt. Stimmt. Und es gibt auch viele Länder, die ich in meinem Leben noch sehen möchte. Aber Mallorca „just got me“, wie es auf Englisch so schön heißt, und wofür es leider keine treffende Übersetzung gibt. Die Insel lässt mich nicht mehr los. Auch ohne verschiedene Klima- und Zeitzonen gibt es hier unendlich viel zu entdecken. Abgesehen von Palma habe ich bis jetzt noch fast keinen Ort mehr als einmal besucht –  aus Zeitmangel. Und es stehen noch viele weitere Ziele auf meiner Liste. Für die nächsten Reisen wünsche ich mir nur eins: Bitte, Mallorca, hör niemals auf, mich und hoffentlich viele weitere Menschen zu überraschen.


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