Portocolom – bunt, bescheiden, unbeschwert

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» Nimm dir Zeit, freundlich zu sein,
‚es ist das Tor zum Glücklichsein. «

– irisches Gebet

Und dazu gehört nicht nur, immer „bitte“ und „danke“ zu sagen und einer älteren Person im Bus den Sitzplatz anzubieten. Es gehört auch dazu, dass man zu sich selbst freundlich ist. Sich Zeit nimmt, sein Zuhause und seine Umgebung freundlich zu gestalten.

Denn wie kann man nicht glücklich sein, wenn man aufwacht und zwei Meter vor dem Fenster glitzert das Meer im Sonnenschein. kleine Fischerboote schaukeln sanft auf den Wellen und egal wohin man guckt, strahlt die Welt einem in leuchtenden Farben entgegen?! Auf Mallorca habe ich einen Ort gefunden, an dem sich dieses Bild in Realität verwandelt. Ich sage nur: Willkommen in Portocolom.

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Daran, dass Fensterläden auf Mallorca bunt sind, habe ich mich ja langsam gewöhnt. Auch, wenn ich immer wieder begeistert bin und mich daran erinnern muss, nicht an jedem Fenster stehen zu bleiben und es zu fotografieren. Aber hier sind gleich die ganzen Häuser bunt. Sie leuchten in rot, gelb oder rosa. Und wenn die Häuser in weiß gehalten sind, dann lebt man sich bei den Türen und Fensterläden umso mehr aus, die dann wirklich jede vorstellbare Farbe haben können. Ob das mintgrün, lila, türkis oder tannengrün ist – es gibt keine Regeln, keine Grenzen, alles ist möglich.

Das Gleiche gilt für die Bootsgaragen. Während die Boote einheitlich in weiß und blau gehalten sind, findet man bei den Garagentoren keine nebeneinander liegenden in derselben Farbe. Sie luken frech und fröhlich hinter den Booten hervor. Ich frage mich zwar, wie das funktionieren soll, mit den Booten und den scheinbar viel zu schmalen Toren, aber gut.  Zumindest vom Aussehen passen sie perfekt zusammen.

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Portocolom verkörpert für mich den perfekten Ort, um zu entspannen und abzuschalten.  Die Altstadt liegt auf einer Halbinsel, und ist dadurch ein bisschen abgetrennt von dem Hafen, den Restaurants und Cafés, eben den Touristenanziehungspunkten. Es ist ruhig in der Altstadt. Es fahren kaum Autos, was auch aus dem Grund praktisch ist, dass es einfach ist, einen Parkplatz zu finden. Man trifft nur wenige Menschen, aber jeder der mir begegnet grüßt freundlich und lächelt. Es ist eine kleine Halbinsel, genau genommen eine sehr kleine Halbinsel, sodass man an fast jedem Straßenende das Meer sehen kann.

Dazu strahlt der Ort irgendwie immer noch dieses Gefühl von Sommer aus, obwohl es Ende November ist. Oder viel mehr erinnert mich Portocolom an dieses sorgenfreie und unbeschwerte Leben, das man früher in den Sommerferien hatte. Man konnte einfach in den Tag hinein leben, ohne schlechtes Gewissen. Und Portocolom scheint wie gemacht dafür, sich in diese Zeit, diese Momente zurückzuversetzen.  Ich sehe es vor mir: Tagsüber in einem kleinen Fischerboot über das Mittelmeer segeln, und abends in eines der bunten Häuser zurückkehren. Ich glaube, zwei Wochen hier und man ist der entspannteste und zufriedenste Mensch, den es geben kann

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Ich muss an eine Anekdote von Heinrich Böll denken, die von einem Touristen und einem Fischer erzählt. An einem Ort wie Portocolom könnte sie sich abspielen. Vermutlich hat sie jeder mal in der Schulzeit gelesen, aber da die ja schon ein paar (oder vielleicht ein paar mehr) Jahre zurück liegt, zur Erinnerung die Kurzfassung:

Ein Tourist weckt mit dem Geräusch seines Fotoapparats einen schlafenden Fischer. Der Tourist fragt, warum der Fischer nicht arbeite, sondern in seinem Boot schlafe. Er hält einen langen Vortrag darüber, was der Fischer alles haben könnte, wenn er mehr arbeiten würde. Und wie er sich dann, wenn er alles hätte, zur Ruhe setzen und in der Sonne dösen könnte. Darauf entgegnet der Fischer, dass er aber doch genau das jetzt schon mache. Er sitze beruhigt am Hafen und schlafe, nur das Klicken der Kamera habe ihn geweckt.

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Ich möchte den Fischern aus Portocolom natürlich nicht unterstellen, dass sie den ganzen Tag nur schlafen und nicht arbeiten. Im Gegenteil, ich nehme an, dass zu ihrem Beruf viel Geduld und Disziplin gehört. Zugegeben, ich kenne nicht allzu viele Fischer. Aber wenn ich sie und den ganzen Ort hier beobachte, erinnert mich das an Eigenschaften, die in unserer schnellen und hektischen Welt viel zu oft verloren gehen. Dinge wie das Zufriedensein mit einfachen Dingen, nicht immer alles zu wollen oder auch eine gewisse Bescheidenheit.

Ich merke wieder, wie bereichernd es ist, an neue Orte zu reisen. Ich nehme jedes Mal so viel mehr mit, also nur ein paar schöne Fotos. Auch, wenn Anekdoten wie die von Heinrich Böll durchaus lehrreich sein können: Der beste Lehrer ist immer noch das echte Leben.


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