Von Himmelsartisten und Wolkenschauspielen

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»Nimm dir Zeit um zu träumen,
es ist der Weg zu den Sternen. «

– irisches Gebet

Und was lädt schon mehr zum Träumen ein, als der Blick zum Himmel? Gerade dann, wenn er nicht nur blau ist, sondern Wolken in allen Formen und Größen vor ihm hängen und in verschiedenen Farbtönen leuchten, während die Sonne versucht, sich zwischen ihnen hindurch zu schieben. Es ist effektreicher als jedes Feuerwerk, romantischer als Hollywood, bunter als jede Farbpalette.

Aber es ist leider auch ein Schauspiel vor leeren Rängen. Oder besser gesagt vor Zuschauern, die während der Vorführung mit allem beschäftigt sind, nur nicht mit dem Geschehen auf der Bühne.  Man tippt auf seinem Smartphone, hört Musik und überlegt nebenbei, was man am Abend kochen kann. Und schon ist der Vorhang wieder geschlossen. Show zu Ende.

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Als Kind konnte man Stunden damit verbringen, den Himmel anzustarren und nach Bildern zu suchen. Wer lange genug still lag, hat alles entdeckt. Feuerspeiende Drachen, kämpfende Ritter, wilde Pferde. Und konnte dann beobachten, wie sich die Wolken verzerrt haben und das Bild plötzlich wieder verschwunden war. Der beste Part war, wenn man einer anderen Person erklären wollte, wo man jetzt gerade was entdeckt hat. In 99 Prozent der Fälle hat das nicht geklappt. Ich für meinen Teil habe meistens  nach einer Minute vergeblichen Suchens einfach so getan, als wäre mir gerade die Erleuchtung gekommen, während ich eigentlich immer noch verzweifelt versucht habe, die Delfin-Familie zu finden.

Nur irgendwie ist über die Jahre meine Faszination für Wolken  ungefähr so verloren gegangen wie die für den Weihnachtsmann. Vielleicht, weil ich mir nicht mehr die Zeit nehme, nach Wolkenbildern zu suchen, genauso wenig wie an den Weihnachtsmann zu schreiben. Vielleicht weil ein Stückchen Phantasie auf dem Weg zurück geblieben ist. Vielleicht weil man gelernt hat, den Blick auf die Realität zu richten, statt von Wolken zu träumen.

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Wahrscheinlich ist es ein bisschen von allem. Dazu kommt diese Vorstellung im Kopf, dass Wolken einfach grau sind. Denn wer denkt bei dem Wort Wolke schon an Farbtöne wie rosa, blau oder rot? Bestenfalls hat man vielleicht noch weiße Schäfchenwolken vor Augen. Deshalb sparen wir uns vielleicht den Blick nach oben, weil wir dieses genaue Bild vor uns haben, was uns erwartet. Dann doch lieber zum zwanigsten Mal Facebook checken. Dass wir den Film direkt vor unserem Fenster darüber verpassen, merken wir meistens gar nicht.

Sicher, an manchen Tagen ist der Himmel einfach grau, der Tag trist und bevor es wirklich hell wird, ist es schon wieder dunkel. So wie wir uns einen Jogginghosen-Sonntag gönnen, hat auch das Himmelsschauspiel mal Pause. Aber auch grau ist meistens nicht gleich grau, man muss nur genauer hingucken. Das Faszinierende ist: Es ist alles echt, was man sieht. Es ist kein Photoshop, es gibt keinen Special-Effekt, das ist alles wirklich da. Wirklich da und einmalig. Einen Replay-Button gibt es nicht. Jede Vorführung ist eine Premiere.

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Ich weiß nicht, ob die Wolken hier besonders schön sind, ob es die Kombination mit dem Meer ist oder das Fremde, das mich alles bewusster wahrnehmen lässt. Aber es sind wenige Tage, an denen ich auf dem Weg zur Arbeit nicht mit dem Fahrrad anhalte, um das Himmelsspiel  zumindest kurz zu beobachten. Man muss sich nur die Zeit nehmen. Und dann ist es gar nicht so schwer zu träumen und sich von Drachen und Rittern in andere Welten entführen zu lassen.

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