Cala Santanyí – Suche nach dem versteckten Schatz

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» Farben haben etwas Lebendiges. Mit den Farben redet die Welt. In der einfachsten und besten Sprache. «

– Klaus Lutz

Aber auch die Sprache muss man erstmal lernen. Man muss sich darauf einlassen und man muss üben. Je öfter ich hier an verschiedene Orte fahre, desto mehr lerne ich. Lerne die Sprache der Welt zu schätzen, lerne sie zu verstehen. Eine Sprache lernt man am schnellsten in einem Land, wo man gezwungen ist die fremde Sprache zu sprechen. Die Sprache der Welt lernt man am besten, wenn man alleine losfährt und von nichts anderem abgelenkt wird. Man hat den Blick frei, um die vielen Farben, die kleinen und großen Wunder zu entdecken. 

Manchmal ist die Schönheit auch nicht auf den ersten Blick erkennbar, man muss sich anstrengen und suchen, um sie zu finden. Dafür ist sie dann um so überwältigender, wenn man sie gefunden hat. Cala Santanyí ist ein Beispiel dafür. Auf den ersten Blick, kommt mir der Ort vor, wie ein typischer Touristenort. Ein bisschen kleiner vielleicht, weniger überfüllt. Aber vom Charakter her eindeutig touristisch. Eine zentrale Badebucht, darum Hotels, Restaurants, ein Souvenirgeschäft. Ich will schon weiterfahren, aber irgendwie denke ich mir: In dem Ort muss noch mehr stecken. Außerdem bin ich viel zu begeistert von meinem gelungenen Einparken, da kann ich nicht 10 Minuten später schon wieder ausparken.

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Ich würde mich weder als Journalistin noch als Fotografin bezeichnen. Aber so stelle ich mir eine wesentliche Aufgabe der beiden Berufe vor. Das Besondere an Orten finden, wo die meisten es nicht sehen. Weil sie sich nicht bemühen, weil sie zu sehr auf das Offensichtlche fokussiert sind, weil sie es vielleicht auch gar nicht sehen wollen. Also mache ich mich auf die Suche.

Wobei, das kann ich natürlich nicht verschweigen, die Bucht an sich ist toll, keine Frage. Bilderbuchmäßg sogar. Ein weißer, flach abfallender Sandstrand, dazu kristallklares Wasser. Aber Strände gibt es 250 hier auf der Insel. Da braucht es für mich mehr, um in Erinnerung zu bleiben. Mit der Kamera bewaffnet, geht es also die kleinen Wege neben dem Strand lang.

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Auf einer Seite ist ziemlich schnell Schluss. Sackgasse. Aber zumindest kann ich sie von hier sehen, die wunderschönen Felsen. Mein Ziel steht fest, jetzt muss ich nur noch einen Weg dahin finden. Und ohne zu philosophisch werden zu wollen, wissen wir ja alle: Das ist meistens der schwierigere Part. Den kleinen Berg muss ich hoch, so viel ist klar. Aber auch hier ende ich erstmal in Sackgassen. Kurz bevor ich aufgeben will, entdecke ich einen kleinen Weg. Oder eigentlich keinen Weg, mehr so einen steinigen Pfad zwischen den Bäumen durch. Aber er führt mich runter auf die Felsen und als ich da stehe, ist das erste was ich denke: Ich habe noch nie so ein Wasser gesehen. Und ich war schon an einigen Stränden, nicht an 250 vielleicht, aber einige kommen doch zusammen.

Die Wasserfarbe ist kein helles Türkis, wie am Strand und es ist kein sattes Dunkelblau, wie auf dem offenen Meer. Es ist irgendwas dazwischen. Man kann es nicht beschreiben und noch weniger in Fotos festhalten. Man muss es einfach sehen.

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Zur unglaublichen Farbe des Wasser kommen die irren Felsformationen. Ich sehe über mir steile Vorsprünge, unter mir die Ausbuchtungen über dem Meer und als Highlight auf der anderen Seite die Felsenbrücke Es Pontàs. Es ist ruhig um mich herum. Viele Menschen machen sich nicht die Mühe, hierher zu kommen. Außer mir sind nur ein paar Kletterer unterwegs und die sind zu sehr in ihrem Element, um mir groß Beachtung zu schenken. Wie kleine, bunte Äffchen hangeln Sie sich die Wände hoch. Eindeutig zu viel Abenteuer für mich.

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Stattdessen sitze ich auf den Felsplatten und staune einfach über die Welt um mich. Sonnenschein, Meeresrauschen, 30 Grad.  Spätsommer Ende Oktober. Mallorca ist meine persönliche Wundertüte, prall gefüllt und voller Überraschungen. Ich muss nur die Hand ausstrecken und zugreifen, auspacken und vorsichtig gucken, welcher Schatz diesmal unter dem Geschenkpapier versteckt ist.


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