Cap de Formentor & der Traum von Freiheit

IMG_0594a


 » Freiheit ist wie das Meer: Die einzelnen Wogen vermögen nicht viel, aber die Kraft der Brandung ist unwiderstehlich. «

– Václav Havel

Viel Wahrheit in einem Satz.

Die Brandung ist tatsächlich unwiderstehlich. Tagsüber, wenn man sieht, wie die Wellen an den Felswänden zerschlagen und Wassertropfen meterhoch durch die Luft wirbeln, aber auch nachts, wenn alles schwarz ist und nur das stürmische Peitschen des Meeres zu hören ist. Es hat etwas Rhythmisches, Mitreißendes, das mich immer wieder fesselt.

Und dann die Verbindung von Meer und Freiheit. Ich würde sogar einen Schritt weiter gehen: Freiheit ist nicht nur wie das Meer. Das Meer ist Freiheit. Wo sonst, findet man einen Ort, wo es nichts gibt, was einen einengt, wo man ewig in die Ferne gucken kann, ohne dass einem etwas den Blick versperrt. Das ist Freisein für mich. Kein Führerschein, kein Reisepass und keine goldene Visa-Karte kommt dagegen an.

IMG_0585a

IMG_0588a
Am Cap de Formentor, da kommt dieses Gefühl von Freiheit auf, wie nur an wenigen anderen Plätzen sonst. Hier, ein paar hundert Meter über dem Meer. Es gibt keinen Zaun, der einem sagt: Bis hier hin und nicht weiter. Man steht am Rand der Felsen, sieht unter sich unendliche Wassermengen und irgendwo, winzig klein, ein Boot. Besonders abends, wenn die Touristenmassen weg sind und man praktisch alleine hier ist, kann einfach mal den Moment aufsaugen, dem Alltag entfliehen und den Rest der Welt hinter den umliegenden Bergen zurücklassen .

IMG_0353a

IMG_0337a
Und wenn ich da so stehe, vor mir das riesige Meer, hinter mir die hunderte Meter hohen Berge, wird mir klar, wie klein man eigentlich ist gegenüber der Natur. Klein und machtlos. Wie leicht könnte ein Mensch an den Felsen zerbrechen. In einer Sekunde, mit einem falschen Schritt. In einer Großstadt denkt man da nie weiter drüber nach. Da hat man höchstens Angst, vom Dach eines Wolkenkratzers zu fallen. Aber so unberührte Natur, wo findet man die in einer Stadt auch schon? Am Straßenrand werden die Bäume beschnitten, im Park wird der Rasen gemäht und die ordentlich gepflanzten Blumen werden gegossen. Wie lächerlich würde es aussehen, wenn hier jemand mit seiner Gießkanne anrückt, um den Pflanzen ein bisschen Wasser zu spenden.

Am meisten fasziniert bin ich aber wieder von der Farbvielfalt, die allein das Meer zu bieten hat. Von leuchtendem Türkis bis zu sattem Dunkelblau findet man alles. Es ist für mich eins dieser Rätsel, die ich gar nicht so genau verstehen will. Die man vielleicht gar nicht so genau verstehen soll. Einfach mal den Kopf ausschalten und genießen. Denn zu viel Nachdenken kann so manchen Zauber auch einfach wegzaubern.

IMG_0311

z
Um das Cap de Formentor bei Tageslicht zu erleben habe ich drei Anläufe gebraucht.  Beim ersten Mal, war alles einfach nur schwarz. Am Himmel hingen dicke Wolken, die kein Mond und keine Sterne durchdringen konnten. Beim zweiten Mal, habe ich es immerhin zu einer Bucht in der Nähe des Aussichtspunkts geschafft. Aber weil alleine der Auf- und Abstieg dahin Ewigkeiten gedauert hat (und das lag nicht nur an meinen sportlichen Fähigkeiten), war die Sonne schon wieder am Untergehen, als ich das Cap schließlich erreicht hatte.

IMG_0592a
Aber, was lange währt wird endlich gut. Ja, auch in Kalendersprüchen steckt ab und zu ein bisschen Wahrheit. Beim dritten Mal hat die Sonne gestrahlt, den tiefen Wolken einen rosa Schimmer verliehen und alles in ein warmes Herbstlicht getaucht.  Genau genommen hat der Kalenderspruch also doch nicht so hundertprozentig Recht. Viel mehr müsste es heißen: Was lange währt, wird manchmal mehr als gut.


Ein Kommentar

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s